TONESHOP - Itzehoe

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Ladi Geisler wurde am
19. November 2011
aus einem erfüllten Leben abberufen.

Gedrehter Humbucker - Peter Green Mod

Warum war der vordere Humbucker der Les Paul von Peter Green eigentlich gedreht eingebaut?

Im Internet wird darüber viel spekuliert, aber die Erklärung, die ich hier beschreibe und die damit zusammenhängenden Klangveränderungen / Verbesserungen sind offenbar nur PRx (oder seinem Mentor Ted McCarty ) und Gibxxx/Epixxxxx und Harry H. in Deutschland aufgefallen..........!?

Oder aber es ist vielen bekannt, aber die verheimlichen ihr Wissen. Zu diesem Thema konnte ich auch im Internet nichts Brauchbares finden, außer wirres Gefasel ohne erklärenden Hintergrund....also hoffe ich es hier besser zu machen!

Worum geht es also ?

Peter Greens alte Gibxxn Les Paul, die er dann in den 70ern, in seiner härtesten Drogenphase dem leider verblichenen Gary Moore geschenkt hat, sagte man immer einen sensationellen Klang nach.

Auffällig ist, dass sie alt ist und viel gespielt wurde und dass der vordere Pickup 180° gedreht eingebaut ist. Die Mystiker und Verschwörungstheoretiker dieser Welt haben da alles mögliche reininterpretiert, aber es offenbar nie selbst ausprobiert oder sie haben falsche Voraussetzungen geschaffen, um überhaupt etwas hören zu können.

Also ohne lange rumzuschwafeln: Ich bin darauf gestoßen, als ich bei meiner PRx McCarty von 1994 mal probeweise den vorderen Pickup gedreht habe. Eine andere Gitarre hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Nach der erfolgten Operation die Saiten wieder gespannt und hoppla: Die Gitarre klang jetzt viel schlechter als vorher.

Stundenlanges Grübeln brachte nichts, also habe ich mit einem Stabmagneten mal geprüft, wie die Polschrauben des vorderen und hinteren PU´s magnetisiert sind. Und entgegen meiner damaligen Kenntnisse waren die Schrauben vorne umgekehrt magnetisch als die des hinteren PU. Bei identischen Humbuckern aus der Serie sollten die Polschrauben eigentlich immer gleich magnetisch eingebaut sein. Ok! Ich habe dann den Pickup wieder zurückgedreht und festgestellt, dass die alte Klarheit, mehr Bässe, mehr Höhen und mehr Sustain wieder vorhanden waren.

Irgendwann bekam ich eine TOKxI LoveRock von 1983 und hatte das Gefühl, dass die Gitarre nicht so offen klingt, wie ich es von der PRx her kannte. Also hatte ich es erst auf die Marke PRx geschoben, aber dann fiel mir wieder die Sache mit dem Humbucker ein. Ich prüfte also die magnetische Ausrichtung der Polschrauben der beiden PU's in der Tokxx und stellte fest, dass sie eine gleichweisende magnetische Polung hatten.

Nun drehte ich testweise bei dieser Gitarre ebenfalls den vorderen PU um und siehe da: Das Instrument bekam eine ungekannte Klarheit, Offenheit, Höhen, spritzige Bässe und der Attack und das Sustain waren wie bei PRx. Toll, aber warum nur? Bin ich einem globalen Irrtum auf die Spur gekommen?

Ich gebe hier meine Erklärung, die ich mir historisch und technisch folgendermaßen zusammenreime:

Nachdem die Gibxxn (PAF) Humbucker in 1955 entwickelt waren und in der Les Paul in 1957 zum ersten Mal zur Auslieferung kamen, wurde wohl lediglich auf die optische Ausrichtung der verstellbaren Polschrauben bei der Montage in die Gitarre Wert gelegt. Die vorderen Schrauben zeigten nach vorne, die hinteren nach hinten. Das wurde so mit allen Serienpickups durchgeführt, aber der entstehende Klang war eben so, wie er in dem Moment war. Man freute sich vermutlich zu sehr über die nun fehlenden Brummstörungen, als dass etwas weiterprobiert wurde.

Deutlich wahrnehmbar war aber von Anfang an der deutlich höhenärmere und irgendwie komprimiert klingende Ton gegenüber der spritzig und dynamisch übertragenden P90, die die Musiker liebten, die aber wegen der fehlenden Brummunterdrückung nur ungerne live und im Studio eingesetzt wurden.

 Nun begannen vermutlich die Techniker dieser Welt den Grund in tausend verschiedenen Faktoren zu suchen. Noch heute schreiben Gitarrenzeitschriften regelmäßig darüber und meistens kolportiertes Zeugs, was in den Internetforen gebetsmühlenartig repitiert wird. Anyway........ die mit Humbuckern ausgerüsteten Instrumente klangen seitdem, wie sie klangen. Man mochte es oder nicht und diese Pickuptype wurde in gleicher Ausführung und gleicher Einbauposition bei Gibxxn und in den meisten Nachbauten in Großserie eingeführt.

Vielleicht hat irgendwann auch mal ein Techniker oder ein Musiker (Peter Green selbst?) versehentlich einen der Pickups andersherum eingesetzt und festgestellt, dass es viel besser funktionierte. Aber was ja nicht sein darf, kann auch nicht richtig sein! Also lebt man auch heute noch mit durch die Pickups kastrierten Instrumenten und meint, dass es alles so seine Richtigkeit hat.

Erst die GIBxxn Tochter EPIxxxxe baut still und heimlich die nunmehr magnetisch gedrehten Humbucker als Neck- und Bridgepickups in ihre preiswerten Modelle.

PRx wurde Anfang der 1990er von Ted McCarty, dem ehemaligen GIBxxN Chef aus den 50ern freundschaftlich beraten. Und der hat dem Paule Reed sicher erzählt, dass es besser ist einen der PUs anders zu konstruieren (bei Beibehlatung der Polschraubenrichtungen) und dadurch die Saiten freier schwingen und die Gitarren dadurch viel offener klingen zu lassen. Auch die PRx Pickups gibt es als Austauschmodelle für Neck und Bridge getrennt. Nur bei GIBxxN selbst immer noch nicht.

Grund des auftretenden Effektes (nach meiner Meinung ):

Die Reihenfolge der Magnetpole (von vorne nach hinten) pro Saite ist N-S und dann S-N. Somit stoßen sich die beiden innenliegenden Südpole über die magnetisch leitende Saite ab. Dadurch versucht die Saite dann im Ruhezustand (und noch schlimmer: im schwingenden Zustand) beständig auszuweichen. Sie wird im Grunde gestaucht. Dadurch entstehen Auslöschungen der Saitenschwingungen und magnetische Bremseffekte, die die Entstehung von Obertönen auf der Saite verhindern, dadurch den Ton farblos machen und Attack und Sustain reduzieren.

Ist die Polreihenfolge pro Saite jedoch S-N (PU vorne) und dann wieder S-N (PU hinten), dann wird die Saite eher gestrafft, wie bei einem steifen Gitarrenhals, und die Obertöne können sich gut auf den Saiten entwickeln und entfalten. Die Saiten können außerdem viel weiter ausschwingen. Das kann man sogar optisch gut beobachten.

Wenn dann die Pickups zudem tief genug justiert sind (Oberseite auf Höhe der PU Rahmen, vorne etwas tiefer, hinten gering höher), dann funktioniert die Gitarre plötzlich wie sie soll: Klare und offene Höhen,Bässe mit perkussiven Mitten und viel Attack und Sustain. Mit dem Herausdrehen der Polschrauben werden zudem die störenden Effekte der Höhenbedämpfung pro Humbucker reduziert und man erhält eine P-90 ähnliche Abnahme mit Brummunterdrückung. Und so hatten es sich die GIBxxN Entwickler auch in den 50ern sicher vorgestellt. Da der original PAF Humbucker mit 7,5 kOhm Spulenwiderstand und 2 Spulen a 5000 Windungen genau die Daten des P90 (7,5 kOhm bei 10000 Windungen AWG42) hat, wollten die Entwickler ja keinen neuen Klang erzeugen oder die Instrumente verschlechtern, sondern nur den beliebten P90 Klang in ihren hochwertigen Gitarren brummfrei machen.

Die nachwachsende Rockergeneration hat das alles aber nicht gewusst oder geahnt und meint seither, durch Kauf von immer neuen Pickups ihre Gitarren zu verbessern. Meiner Meinung nach gut für die Industrie, aber schlecht für das persönliche Konto. Also lieber erstmal den vorderen (oder den hinteren PU) 180° drehen. Dann die beiden Humbucker so niedrig wie möglich justieren und die Polschrauben etwas aus dem Deckel herausdrehen (ca. 1/10 zusätzliche mm). Dann die Gitarre mechanisch optimal einstellen (Hals und Oktavreinheit).

Und jetzt erst die Pickups etwas höher drehen, um eine gleichmäßige Abnahme zu erzielen, aber ohne die Saiten durch die Magnetstärke der Tonabnehmer zu bremsen. Die annähernd optimale Höhe wird im Grunde schon durch die Rahmenhöhe vorgegeben. Die Einstellarbeiten sollten auch immer bei einem leise und unverzerrt eingestellten Verstärker erfolgen. Wenn die Flageolet-Töne über dem 5., 7. und 12. Bund problemlos, klar und sauber erzeugt werden können, sind die PU´s weit genug von den Saiten entfernt.

Die Gitarre ist eben doch nur 2 Stück Holz mit nem gespannten Draht. Und die magnetischen PU´s sind eigentlich nur Störfaktoren - wenn sie falsch eingebaut und falsch justiert wurden.

Probiert es doch selber aus (kostet ja nix)! Und erzählt es ruhig weiter.

Ich würde mich über eure Rückmeldungen freuen.